Judith Kirchner

Diplom-Geophysikerin

    • 2001
    • Diplomstudium Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg

Interview

Warum haben Sie Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg studiert?

Ich habe mich schon immer für die Dinge interessiert, die uns umgeben. Dies war im Hinblick auf die Natur schon immer ausgeprägter als auf die Sicht des Menschen - dies bedeutet nicht dass ich ein introvertierter menschlicher Stoffel bin, der im Keller wohnt, sondern nur, dass ich nichts soziales, sondern etwas in naturwissenschaftlicher Richtung machen wollte.

Als sich mich dann gegen Ende meiner Schulzeit über verschiedene Studiengänge informierte, stieß ich auf einen Flyer der TU Bergakademie Freiberg zum Studiengang Geophysik. Der Leitsatz "naturwissenschaftliches Werkzeug zur Erforschung der Erde" hat mich neugierig gemacht. Aus dieser Neugier wurde eine der schönsten Zeiten meines bisherigen Lebens...

Wie war das allgemeine Leben als Student in Freiberg für Sie?

In Freiberg war es sehr leicht Anschluss zu finden und sich bald dort zu Hause zu fühlen.

Am meisten vermisse ich die Grillpartys und Filmabende mit meinen Kommilitonen und Freunden. Das schaffte einen schönen Ausgleich zum Studium, besonders wenn es in der Prüfungsphase stressig wurde. Nahezu jeden Mittwoch stand Sneak Preview im Kino auf dem Programm, denn mit 3,5€ ist das ideal für den Studentengeldbeutel. Allgemein war es in Freiberg sehr kostengünstig und studentenfreundlich, denn mit dem Studentenausweis bekam man sehr oft Rabatt.

Ansonsten sorgten Willkommensabende vom Institut sowie große Veranstaltungen für alle Studenten dafür, dass es nicht langweilig wurde. Wenn man etwas unternehmen wollte, fand sich schnell etwas, zumal z.B. Dresden und Chemnitz auch nicht weit entfernt liegen und man schnell dorthin fahren kann. Ebenso gibt es in der Nähe mehrere Stauseen und auch die sächsische Schweiz ist nicht weit entfernt und genau das richtige an einem schönen Sommertag.

Des Weiteren gibt es ein kleines, gut ausgewähltes Sportprogramm. Egal ob man lieber schwimmen oder klettern geht, ich denke, es ist für jeden etwas dabei.

Was hat Ihnen am Studium besonders gut gefallen?

Da fallen mir spontan mehrere Dinge ein:

Zum einen ist man durch die kleine Anzahl von Studenten (10 in meinem Jahrgang) keine Nummer sondern ein Mensch. Es kannten sich alle mit Namen, und die Dozenten konnten gut auf die jeweilige Person, deren Fragen und eventuelle Verständnisprobleme eingehen. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig, wenn man etwas nicht nur für die Prüfung lernen, sondern wirklich verstehen will.

Des Weiteren fand ich es gut, dass im Studienplan vorgesehen war, dass man auch „über den Tellerrand“ blickt und sich Vorlesungen anhört, die nicht direkt mit der Geophysik zu tun haben. So hatte ich ohne Probleme die Gelegenheit, mir Vorlesungen über Sprengstoffverfahren oder angewandte Laserphysik anzuhören.

Auch die praktische Umsetzung des erworbenen Wissens in den einzelnen Teilgebieten der Geophysik durch die Exkursionen in den Tharanter Wald, nach Kleinsaubernitz, nach Riesa, die Messungen auf dem Universitätsgelände und nicht zuletzt das "Untertagepraktikum" im Forschungsbergwerk haben mir wirklich gut gefallen. Die Auswertung der Daten von Land, Wasser und Untertage war ebenfalls eine Herausforderung und sehr spannend.

Nachdem ich ein freiwilliges Praktikum bei der Herrenknecht AG absolvierte und den Wunsch hatte, in Zusammenarbeit mit dieser auch meine Diplomarbeit zu schreiben, wurden mir keine Steine in den Weg gelegt. Im Gegenteil – Prof. Stefan Buske stellte mir einen Schreibtisch, einen PC und einen Zugang zu einem Hochleistungsrechenzentrum zur Verfügung und war jeder Zeit für Fragen und/oder Diskussionen ansprechbar. Die Doktoranden sowie meine Kommilitonen sorgten auch schlechten Tagen für die notwendige Motivation. Ein besseres Umfeld für das Anfertigen einer Arbeit kann ich mir gar nicht vorstellen.

Fachliches

Geophysik im Tunnelbau

Unsere Aufgabe im Tunnelbau beinhaltet zum einen die Vorerkundung der Trasse mittels Bohrungen und zum anderen die vortriebsbegleitende Vorauserkundung, damit sicherheitsrelevante Maßnahmen rechtzeitig getroffen werden können. Die besondere Herausforderung hierbei ist, die große Datenmenge schnellstmöglich zu bearbeiten, denn die Maschine wartet nicht.

Je nach Art des anstehenden Untergrundes unterscheiden sich auch die möglichen Gefahrenpotentiale, sodass wir derzeit zwei Vorauserkundungssysteme haben. Während das ISIS (Integrated Seismic Imaging System) im Hartgestein zur Erkundung von wassergefüllten Hohlräumen sowie Störungs- und Karstzonen zum Einsatz kommt, welche die Tunnelstabilität gefährden, findet das SSP (Sonic Softground Probing) Anwendung im heterogenen Baugrund (z.B. Sand, Kies) zur Detektion von Findlingen, Spundwänden oder Schächten, da diese die Maschine beschädigen können, was enorme Kosten verursacht. Weiterhin arbeiten wir derzeit an einem Vorauserkundungssystem in weichen Böden (z.B. Ton, Schluff, Lehm). Hierfür muss sowohl die Hardware als auch die Software entwickelt werden, woraus sich spannende Aufgaben wie Versuchsplanung, Durchführung und Umsetzung des bestmöglichen ergeben, ohne ein gewisses Budget zu überschreiten.

Das Arbeiten im Tunnelbaustellenbetrieb

Es ist nicht einfach 12 oder 14 Stunden im Tunnel zu arbeiten, ohne Sonnenlicht, immer laut, staubig und dreckig. Es ist gefährlich und die Menschen, die dort jeden Tag arbeiten, haben meinen besonderen Respekt. Aber auf der Tunnelbohrmaschine zu stehen, während sich diese durch das anstehende Gebirge arbeitet - dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Man merkt wie klein der Mensch ist und was er trotz allem vollbringen kann. Im Schneidrad zu stehen und das Gebirge direkt sehen und anfassen zu können, zu hören wie es arbeitet - dass ist mit das Genialste.

Man wird eigentlich auf jeder Baustelle freundlich begrüßt und die Menschen helfen einem wo sie nur können. Da das Baustellenpersonal international ist und nicht alle Englisch sprechen, ist es auch nicht immer einfach sich zu verständigen. Doch es ist erstaunlich wie gut man sich mit Händen und Füssen verstehen kann und wie sich das Leben auf der Baustelle vom Büroalltag unterscheidet. Denn abgesehen von den Baustelleneinsätzen arbeite ich im Büro. Dort werten wir die Daten von den einzelnen Baustellen aus, leisten Support, wenn eine Baustelle ein Problem meldet, und warten bzw. entwickeln die Systeme weiter. Gerade bei der Softwareentwicklung benötigt man gute Kenntnisse in der Signalverarbeitung und Durchhaltevermögen.

Auf der Baustelle