Susann Birnstengel

Diplom-Geophysikerin

    • 2005
    • Abitur
    • 2005-2011
    • Diplomstudium Geophysik
    • 2006
    • Praktikum am GeoForschungsZentrum Potsdam
    • 2008
    • Praktikum an der Uni Kiel/Forschungsausfahrt der MS Heincke
    • 2010
    • Forschungsausfahrt MS Jan Mayen offshore Svalbard
    • 2010 - 2011
    • Auslandsstudium Tromsö (Norwegen) / Diplomarbeit
    • 2011
    • Diplomverteidigung
    • 2011
    • Anstellung als Onboard Processor QC bei Fugro FSI Norway

Interview

Warum haben Sie sich fuer Geophysik entschieden? Was hat Ihnen besonders gefallen?

Während meiner Schulzeit verbrachte ich Monate damit, einen passenden Studiengang zu finden. Pure Physik? Zu theoretisch. Geographie? Man endet im Büro. Geologie? Zu viel Gestein, zu wenig Maxwell!

Geophysik war für mich die perfekte Verbindung, um die geologische Entwicklung der Erde mit Hilfe physikalischer Methoden kennen zu lernen. Und wer wissen will, was die Erde im Innersten zusammenhält, ist hier genau richtig. Von den Methoden der Erderkundung hatte ich keine Ahnung, und genau das war das Spannende. Da gab es etwas, wovon man in der Schule nichts gehört hatte. Seismik? Gravimetrie? Petrophysik? Und ich wollte wissen, was es damit auf sich hat. Die breite Grundlagenausbildung in Geologie, Mathematik und Physik während des Grundstudiums ermöglichte es mir schnell, mein Interessensgebiet zu entdecken.

Durch die geringe Studentenzahl (wir waren 10) war das Studieren sehr angenehm. Man konnte über alle Dinge diskutieren, zusammen lernen und Feldpraktika unvergesslich gestalten. Am schönsten waren auch tatsächlich diese Praktika. Man verstand plötzlich den Sinn einer Formel. Auch der zwanglose Umgang zwischen Dozent und Student hat mir Druck genommen.

War die TU Bergakademie Freiberg eine gute Wahl?

Anfangs war Freiberg in der Tat für mich nur eine Alternative. Die Uni hatte einen guten Ruf, sie war klein mit guter Anbindung und kurzen Wegen, und Freiberg war nicht fern der Heimat. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, in einer Stadt zu leben, die keine Straßenbahn hat! Alles war gleich nebenan und man grüßte Dozenten auf der Strasse. Ich habe es aber nie bereut.

In der Freiberger Uni ist es kinderleicht, Anschluss zu finden und Kommilitonen oder Dozenten kennen zu lernen Man erhält Unterstützung, wo man sie braucht, und wird durch Kennenlernabende und regelmäßige Studententreffen bald Teil der „Familie“. 

Was konnte man außer Studieren noch so tun?

Ein Geophysikstudium in Freiberg bietet mit der richtigen Planung Platz für Freiräume. Ich habe einige Vereine, welche die Uni zu bieten hat, ausprobiert! Klettern, Standardtanz, Badminton, JuJutsu, Schwimmen und wissenschaftliches Tauchen – es ist für jeden etwas dabei. Die Umgebung lockt mit Natur. Im Sommer ist es der Soldatenteich und die Russenwand, im Winter ist es Holzhau und am Abend feiert jemand, der jemanden kennt, der jemanden kennt, eine Party.

Welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf Ihren Auslandsaufenthalt gemacht?

Gegen Ende des Studiums stellte ich fest, dass es dumm wäre, die Möglichkeit ins Ausland zu gehen, nicht zu nutzen. Wann könnte man sonst ein Land auf eine derart persönliche Weise kennenlernen. Wenn man Tourist ist, bleibt man oft außen vor. Als Student ist man mittendrin! Es bedarf Planung und Organisation, aber man bekommt keine Steine in den Weg gelegt, denn Auslandsaufenthalte werden von allen Seiten befürwortet. Man suche sich ein interessantes Land, eine Firma, Uni oder andere Forschungseinrichtung und los geht es. Ich war damals auf eigene Faust in Norwegen, am Geologischen Institut in Tromsö für ein Praktikum und meine anschließende Diplomarbeit.

Aber ich habe mehr gelernt, als marine Daten zu prozessieren. Man sieht viele Dinge in einem anderen Licht. Norwegen als europäisches Land unterscheidet sich auf den ersten Blick in vielen Dingen nicht stark von Deutschland, doch man muß nur genau hinsehen. Die Menschen, die ich dort traf, und die Dinge, die ich neben dem Studium gelernt und erlebt habe, formten mich. Es war eine der besten Erfahrungen, die ich während meines Studiums gemacht habe.

Fachliches

Marine Geophysik

Während des Studiums hatte ich die Chance auf eine Forschungsausfahrt auf der MS Heincke der Uni Kiel. Nach dieser Ausfahrt war ich Feuer und Flamme für Offshorearbeiten jeglicher Art und habe 2 Jahre später meine Diplomarbeit im Bereich der marinen Geophysik geschrieben. Diese beschäftigte sich mit dem Monitoring von Gaslagerstätten am Kontinentalshelf der Insel Spitzbergen.

Durch die Erwärmung der Meere werden Parameter wie Temperatur und Salinität und damit die Dichte des Meerwassers beeinträchtigt. Gashydrate werden durch eine geringere Auflast und steigende Temperaturen im Meeresboden instabil, schmelzen und steigen als Gas an die Oberfläche. Entlang dieser Gasmigrationspfade kommt es im Boden zu Instabilitäten und schlimmstenfalls zu Hangrutschungen. Zur Quantifizierung dieser instabilen Sedimente habe ich diese kartiert. Mit mariner 3D Seismik wurden dazu über ein 200km Profil seismische Daten aufgenommen. Nach der Ausfahrt habe ich diese Daten dann prozessiert und mit Hilfe eines Sedimentationsmodells den Gasverlauf interpretiert.  

Direkt nach dem Studium fing ich dann bei einer Offshore Firma, Fugro FSI Norway, als Onboard Processing QC an und arbeite seitdem weltweit an Bord seismischer Seefahrzeuge.

Das Leben Offshore

Das Leben auf einem Boot klingt erst mal abenteuerlich, hat aber seine Vor – und Nachteile. Zu allererst sind da Familie und Freunde, die man zurück läßt. Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn Weihnachten oder der Sommer vor der Tür stehen. Dafür lernt man die Momente zu Hause um so mehr schätzen. In der Regel bin ich 5 Wochen an Bord und arbeite jeden Tag in 12h Schichten. Das beinhaltet das Processing der akquirierten Daten, Qualitätscheck der Daten sowie während der Aufnahme und bei schlechtem Wetter die Wartung der Streamer und Airguns. Man ist immer vom Wetter abhängig und sollte über einen seefesten Organismus verfügen. Innerhalb von 5 Wochen wächst eine Crew zu einer kleinen Familie zusammen. Man muß sich aufeinander verlassen können, ißt zusammen, lacht zusammen und muß Konflikte lösen. Aber das Beste: es warten 5 Wochen Freiheit auf mich, sobald ich meinen Fuß aufs Festland setze.